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Staffelsteiner fürchteten ihren Ruin, wenn neue Brauhäuser gebaut werden sollten

Professor Dr. Günter Dippold hatte eine diebische Freude, Brauer Reinhold Reblitz mit einem runden Geburtstag zu überraschen. Der Bauantrag für das Brauhaus wurde am 4. Januar 1805 genehmigt. Der 200. Geburtstag seiner Brauerei traf den Eigner unvorbereitet: ?Was wir zum Jubiläum machen, weiß ich noch nicht.? - FOTO: BIRKNER

15. Januar 2005

VON TIM BIRKNER

NEDENSDORF ? ?Bier-Historisches aus Staffelstein und dem Staffelsteiner Land? hieß der Vortrag von Professor Dr. Günter Dippold im Gasthaus Reblitz, der mit einer Überraschung endete. Die Brauerei wird in diesem Jahr 200 Jahre alt. Bislang wusste das niemand.

Das Brauhaus in Nedensdorf hat schon schlechtere Zeiten gesehen. 1697 baute die Gemeinde ihr erstes Brauhaus, doch das Brauen wurde ihnen vom Bamberger Fürstbischof versagt. Die Staffelsteiner Bürger jammerten und klagten in Bamberg offenbar mit Erfolg. Denn Bier - ihr Bier - war ihnen heilig. Bezirksheimatpfleger Professor Dr. Günter Dippold tauchte am Mittwochabend in das Lebenselexier der Franken ab. Freud und Leid, Neid und Intrigen prägten die Geschichte des Biers und seiner Brauer. Sowohl das stete Klagen der Staffelsteiner Bürger als auch das kleine Brauhaus Nedensdorf zogen sich durch seinen fast zweistündigen Vortrag im Brauereigasthof Reblitz.

 

Bier war wichtig. Und so wie Dippold von Spionage und Bierkriegen berichtete, konnten die 100 Bierfreunde in seinem Publikum glauben, es gab nichts Wichtigeres in der Politik. Wie heute Autos, Benzinpreis und Straßenbau die Gemüter erregen, so muss es wohl damals mit dem Bier, den Braumeistern und Braurechten gewesen sein. ?Der typische Bürger hatte ein Patchworkeinkommen, zusammengesetzt aus Handwerk, Landwirtschaft, Handel und der Produktion und dem Ausschank von Bier. Und auch für die Obrigkeit war Bier von hoher Bedeutung wegen der indirekten Biersteuer?, so Dippold.

 

?Hier vergißt der Feldarbeiter die Schwere des Pflugs und die Hausnoth; und der Kaltherzigste drükt seinen Mitbruder im Freudentaumel ans Herz?, befand ein Sonnefelder Pfarrer 1788, als er die Bierkeller in Marktzeuln besuchte.

 

Die Verwaltung fürchtete da schon eher den Zorn der Bürger, wenn die Gäste in überfüllten Wirtschaften ?durch den Genuß des stärksten Bieres gereizt sind?. Die Staffelsteiner Bürger, die in zwei kirchlichen Brauhäusern ihr Bier brauten, waren stets gereizt. ?Wenn das Recht zu brauen auch nur geringförmig ausgeweitet wurde, sahen die Bürger ihre Existenz bedroht?, sagte Dippold.

 

Nach dem ersten Versuch 1697 unternahmen die Nedensdorfer Bürger einen zweiten Anlauf, um eigenes Bier zu brauen. Alles sollte bis zur letzten Minute geheim bleiben, doch Staffelsteiner Spitzel fanden heraus, der Banzer Abt habe ?einen neuen breukessel in aller still zu coburg verfertigen und zu Nedensdorf sambt den neu aufgerichtetesn breuzeug einmauern lassen?. Sofort reiste der Staffelsteiner Bürgermeister nach Bamberg und petzte. Er sah seine ?ohnehin erarmbte burgerschafft in eussersten ruin gestürzet?. Nachdem der Fürstbischof das Brauen erneut untersagt hatte, die Nedensdorfer sich aber einfach weiter brauten, schlugen die Staffelsteiner Spitzel wieder zu. Noch des Nachts ritten sie gen Bamberg und verpfiffen die unliebsame Konkurrenz.

 

Dann geschah auch in Nedensdorf, was damals Gang und Gäbe war: Einem Feldzug gleich wurden in Bierkriegen die Konkurrenten vernichtet. Die Staffelsteiner machten sich dabei nicht die Hände schmutzig, sie ließen den Krieg führen.

 

Am Samstag, 23. Januar 1723, zog der Lichtenfelser Oberamtsmann von Schrottenberg mit der Lichtenfelser Bürgerschaft ?in gewehr und mit rührenten drommelspiehl? nach Nedensdorf. Der Braukessel wurde wie eine Trophäe nach Lichtenfels gebracht und die übrige Brauereieinrichtung ?zu schanden gehauen und völlig vernichtet?.

 

Die Nedensdorfer mussten weiter warten und ihr Bier von auswärts holen. Eine Schmach für damalige Verhältnisse. Erst der Umbruch 1802 brachte Bewegung in den Biermarkt. Die kommunalen Brauhäuser bekamen auf politischen Wunsch hin private Konkurrenz. Der Markt wurde dereguliert, die Europäische Kommission hätte ihre Freude gehabt.

 

Am 30. Mai 1804 beantragte Nikolaus Neder für Nedensdorf bei der Landesdirektion in Bamberg Brau- und Schankrecht. In den schillerndsten Farben erklärte er die Notwendigkeit - wie Anträge eben so formuliert sind. ?Der Ort besteht aus 34 Haushalten. Längst schon fühlte die Gemeinde das Bedürfniß, einen Bierbrauer in ihrem Orte zu haben.? Er klagte, dass Bier nur im ritterschaftlichen Herreth zu haben sei oder ?im weit entfernten Staffelstein?. Das Bier sei durch den Transport ohnehin ?matt und unkräftig?.

 

Nun endlich gab es die Erlaubnis. Noch im Jahr 1805 wurde das Brauhaus gebaut, an der Stelle, an der auch heute noch das Brauhaus der Familie Reblitz steht. Der 200. Gründungstag der Bauerei ist also heuer. Da zuckten im Saal des Gasthauses erst die Gesichter, dann klirrten die Bierkrüge. Und Reinhold Reblitz, der am Tag zuvor seinen 44. Geburtstag gefeiert hatte, kommt nun aus dem Feiern nicht mehr raus. ?Weißbier- und Bockbieranstich sowie die Kirchweih, das war bisher unsere Trilogie?, sagte er und war noch ratlos, wie er das Jubiläum denn feiern möchte. Denn Dippold war gelungen, was den Nedensdorfern nicht immer gelang: Er hat seinen Coup bis zuletzt geheim halten können. Die Staffelsteiner Spitzel sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren.


Unser Bier ist das Beste

Auch mit meiner Hilfe entstand der große Biertest in der Neuen Presse. Heimische Brauereien wurden dort vorgestellt. Jedes Brauhaus durfte außerdem eine Sorte zum Verköstigen einreichen. Auch die kleinsten Brauereien hatten also eine Chance. Der Chefredakteur der Brauwelt testete die Sorten anonym und bewertete sie.

Schwanenbräu Ebensfeld

Gick-Bräu Burgkunstadt

Den ganzen Biertest können Sie bei der Neuen Presse nachlesen:

Biertest