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Wir brauchen mehr Gelassenheit

3. Mai 2008

Was zeichnet einen guten Pädagogen aus?

Annegret Schunk: Ein guter Pädagoge muss Kinder lieben. Er darf sie nie als Untergebene betrachten. Jedes einzelne Kind ist eine kleine Persönlichkeit, die er auf ihrem jahrelangen Schulweg zu einer großen Persönlichkeit mitviel Verständnis und Einfühlungsvermögen, aber auch mit der nötigen Strenge begleitet.

Ingrid Tasler: Ein guter Pädagoge muss Mut machen, die eigenen Stärken zu erkennen, sie auszubauen und die Schwächen zu akzeptieren und an ihnen zu arbeiten.

Schunk: Eine meiner Schwächen ist bis heute die Mathematik. Damit musste ich leben lernen, dass in Mathe die anderen stets besser waren. So eine Erfahrung machen doch die meisten. Wer ist schon so vielseitig begabt, dass er keine Schwächen hat? Problematisch wird so etwas nur dann, wenn ein Kind aus seiner Schwäche in der Mathematik folgert: Ich bin ein Versager. Das müssen wir als Pädagogen verhindern. - Und die Eltern auch.

Brauchen wir Noten?

Tasler: Auf jeden Fall. Jeder möchte wissen: Wo stehe ich? Kinder suchen diesen Vergleich mit anderen doch von sich aus. Sie rennen um die Wette, wollen heraus finden, wer am weitesten hüpfen und wer am längsten die Luft anhalten kann. Von der so genannten Kuschelpädagogik halte ich wenig, da sie die Kinder nicht genügend auf die Anforderungen des Lebens vorbereiten. Vielmehr ist echte Zuwendung der Eltern und Lehrer notwendig, vor allem wenn es Schwierigkeiten gibt. Jeder Mensch muss doch lernen mit Niederlagen umzugehen. Wichtig ist, dass Noten transparent sind und dass ich als Lehrer immer signalisiere: Ein Fehler oder eine schlechte Note sind keine Niederlage, sondern ein Anlass, etwas besser zu machen, sich weiter anzustrengen, zu lernen.

Schunk: Ich habe meinen Schülern immer mal wieder von meinen eigenen Fehlern erzählt. Ich hatte den Eindruck, sie waren froh zu hören, dass auch anderen Leuten, dass vor allem auch Erwachsenen nicht alles immer gelingt. Manche Eltern würden die Lehrer auch heute noch gern als Respektspersonen ohne Fehl und Tadel sehen. Mir persönlich fällt es nicht schwer, zu meinen Fehlern zustehen. Ich kann doch ein Kind nur dann dazu erziehen, zu seinen Fehlern zustehen, wenn ich es selbst tue.

Viele Eltern wollen für ihre Kinder den bestmöglichen Schulabschluss, also das Abitur. Was halten Sie von diesem Drang zum Gymnasium?

Tasler: Ich halte das für sehr bedenklich. Wenn ich das schon höre: "Wir brauchen mehr Abiturienten." So ein Unsinn. Als ob man Intelligenz vermehren könnte wie einen Hefeteig. Der bestmögliche Schulabschluss für ein Kind ist der, der für das Kind am besten ist und nicht der nach Ansicht der Eltern höchstmögliche. Es ist in jedem Fall verhängnisvoll, wenn Eltern ihr Kind nur nach den Schulleistungen einschätzen. Denn Kreativität und soziale Kompetenz sind mindestens von gleichem Wert.

Schunk: Mir blutet das Herz, wenn ich an dieses jahrelange Schlechtreden der Hauptschule denke. Was ist die Folge? Eltern schämen sich, wenn der Sohn "nur" die Hauptschule besucht. Wir brauchen in gleich hohem Maß praktische Intelligenz. Wir brauchen gute Hauptschulabsolventen. Die Abwertung der Hauptschule ist für mich das Grundübel unseres gesamten Schulsystems. Hier muss dringend geholfen werden.

Tasler: Genau. Was erleben wir denn gerade? Da machen Jugendliche Abitur, die erklärtermaßen nicht studieren wollen und machen den Haupt- und Realschulabsolventen die Ausbildungsplätze streitig. Und außerdem: Wer bedenkt denn, wenn er ein bedingt oder tatsächlich ungeeignetes Kind aufs Gymnasium zwingt an die enorm hohe Zahl der Studienabbrecher und die Akademikerarbeitslosigkeit, die wir ja durchaus haben? Wir müssen die unterschiedlichen Begabungen der Kinder berücksichtigen, um die Belastungen aller Beteiligten zu mindern.

Schunk: Dieses Anspruchsdenken, das völlig an den Kindern und deren Entwicklung vorbei geht, das finde ich furchtbar. Das raubt den Kindern Kindheit und Jugend. Schon die Drittklässler haben Notendruck und Nachhilfe. Das muss man sich mal überlegen, welchem Druck man da die Kinder aussetzt.

Abgesehen von diesem Drang zum höchstmöglichen Schulabschluss: Wie sehen Sie denn die Ergebnisse der Pisa-Studie?

Tasler: Ganz kritisch. In dieser Debatte ist das Maß verloren gegangen. Schauen Sie: Wir drei, die wir hier sitzen, sind doch völlig verschiedene Menschen mit völlig verschiedenen Begabungen, haben völlig verschiedene Erfahrungen gemacht und leben in ganz unterschiedlichen Verhältnissen. Machen wir drei einen Test. Was kommt wohl heraus? Die Ergebnisse werden unterschiedlich sein, weil die Voraussetzungen verschieden sind. Aber das wird zu wenig berücksichtigt. Es wird verglichen. Einfach so. Äpfel mit Birnen. Und daraus wird dann Kritik und Handlungsbedarf abgeleitet. Die Folge davon ist große Verunsicherung auf allen Seiten. Trotzdem sind Verbesserungen natürlich wünschenswert.

Schunk: Ein Beispiel aus meiner Erfahrung: eine Englisch-Schulaufgabe in der neunten Klasse. In der ersten Stunde schreibe ich sie mit der 9a, in der zweiten Stunde mit der 9b. Beide Klassen habe ich vorher auf die gleiche Weise und mit dem gleichen Zeitumfang vorbereitet. Ja, glauben Sie denn, dass da zweimal das gleiche Ergebnis heraus kommt? Was wir brauchen, sind keine vordergründigen Vergleiche, sondern eine sorgfältige Differenzierung der Ergebnisse.

Was brauchen die Schüler heute?

Tasler: Unser Vertrauen und unsere Unterstützung. Wissen Sie, es gibt nichts in der Schule, es gibt im ganzen Leben nichts, was keine Spuren hinterlässt. Kinder brauchen ein starkes Selbstwertgefühl. Das müssen wir ihnen vermitteln. Dafür brauchen zum einen die Lehrer, aber derzeit noch viel mehr die Eltern Zuversicht und Gelassenheit. Lassen wir ein Kind sich doch entwickeln.

Schunk: Lassen Sie mich das Fach Sport als Beispiel nehmen: Ein guter Leichtathlet ist in der Regel kein guter Geräteturner, ein Mannschaftsspieler muss kein guter Schwimmer sein. Das kann man auf alle anderen Lebens- und Lernbereiche übertragen. Es ist doch gut, dass es diese Vielfalt gibt. Jeder kann und sollte seine Stärken einbringen. Wir müssen viel öfter betonen, was jemand gut kann als immer nur an seinen Schwächen herum zu kritisieren.

Interview: Christa Burkhardt


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