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Delfine und Belugawale helfen Tim

Tim Oelschlegel macht nach einer Delfintherapie in der Ukraine große Fortschritte. FOTO: Tim Birkner

24. Dezember 2007

VON CHRISTA BURKHARDT

Scherneck ? Weihnachten vor einem Jahr war für Familie Oelschlegel ein Fest der gemischten Gefühle. Wenige Wochen zuvor war mit dem kleinen Max das vierte Kind in das lebhafte kleine Haus eingezogen. Ungefähr zur gleichen Zeit bestätigte sich aber auch, was die Eltern Bianca und Hermann schon lange geahnt hatten: Der zweieinhalbjährige Tim entwickelt sich nicht altersgemäß. Schwerer frühkindlicher Autismus lautete die Diagnose. Fröhliche Weihnachten!

Wenn die Kinder schliefen, machten es sich die jungen Eltern nicht vor dem Weihnachtsbaum gemütlich. Sie wälzten Fachliteratur, surften nächtelang im Internet, um herauszufinden, was diese Diagnose bedeutet.

?Einerseits war ich froh, es nun endlich schwarz auf weiß zu lesen?, erinnert sich Bianca Oelschlegel. ?Tim war schon immer anders. Und nun kannten wir endlich den Grund für dieses Anderssein. All die Untersuchungen, die Tim über sich ergehen lassen musste, die anstrengenden Tests und Klinikaufenthalte hatten sich gelohnt, dachten wir.?

Jetzt, wo endlich eine Diagnose da ist, kann und wird Tim und uns auch geholfen, dachte Bianca Oelschlegel. Dem war aber leider nicht so. Zwar hatte die Medizin im diagnostischen Bereich gewaltige Fortschritte gemacht, der Therapiebereich aber hinkt hinterher. Was nützt eine frühe Diagnose, wenn die therapeutische Hilfe ausbleibt?, fragten Bianca und Hermann Oelschlegel an Weihnachten vor einem Jahr.

Nun ist wieder Weihnachten, der Christbaum im Wohnzimmer ist geschmückt, der kleine Max macht seine ersten Gehversuche. Tim rennt auf und ab, zeigt auf einen Gegenstand, schaut seine Mutter an und fragt: ?Was das da?? Eine Glaskugel. ?Was das da?? Eine Packung Taschentücher. ?Was das da?? Tim kann gar nicht genug bekommen. Tim fragt und fragt und plappert nach, hält Blickkontakt und lacht viel.

?Wenn ich überlege, was in diesem Jahr alles passiert ist, kann ich es immer noch nicht richtig fassen?, sagt Bianca Oelschlegel leise. Im Januar hatte sie in der Redaktion der Neuen Presse angerufen. Verzweifelt, weil ihrem kranken Kind keiner helfen konnte. Im Februar stellte die Neue Presse unter dem Titel ?Der Helm schützt Tim, aber wer hilft ihm?? ihren Lesern den kleinen Jungen aus Scherneck vor.

Eine Welle der Hilfsbereitschaft rollte los. Firmen, Privatleute, Nachbarn und Vereine sammelten in unterschiedlichsten Aktionen Geld für den Traum der Familie Oelschlegel: eine Delfintherapie für Tim. Ein Spendenkonto wurde eingerichtet, der TSV Scherneck stellte eine Gaudi-Fußballspiel auf die Beine. Und am 28. Juli wurde der Traum wahr.

Tim flog mit seinen Eltern zur Delfintherapie in die Ukraine. Der erste Tag sollte ein erstes Kennenlernen vom Beckenrand aus sein. ?Das passte Tim aber nicht. Der wollte sofort rein ins Wasser, flitzte zum Beckenrand streckte einem der Beluga-Wale seine Hand in den Rachen und zog an seiner Zunge?, erinnert sich Bianca Oelschlegel an den Therapieauftakt.

Glücklicherweise werden im Therapiezentrum in Jalta nicht nur Delfine, sondern auch besagte Beluga-Wale in der Therapie eingesetzt. ?Mit denen kam Tim fast noch besser klar als mit den Delfinen?, sagt die Mutter und fügt hinzu: ?Die sind robuster. Das liegt Tim mehr.?

Schon nach wenigen Tagen ließ sich Tim freiwillig in den Neopren-Anzug helfen und rannte ebenso freiwillig zum Händewaschen. Beides hatte Eltern und Therapeuten bei den ersten Umzugsversuchen noch den Schweiß auf die Stirn getrieben und war von Tim mit ohrenbetäubendem Geschrei begleitet worden.

Trotzdem plagten die Eltern immer noch viele Zweifel. ?Jeden Tag eine halbe Stunde mit einem zahmen Delfin im Schwimmbecken planschen, das soll alles sein??, fragte Bianca Oelschlegel skeptisch. Aber Tims Entwicklung überzeugte sie.

In ihrem Therapietagebuch heißt es: ?Wir haben eine Riesenveränderung schon in der Ukraine gemerkt. Unser Tim hat jeden Tag gewusst, was nun passiert, er hat unseren Bustransfer vom Hotel zum Aquarium gesehen und war nicht mehr zu halten vor lauter Freude. Am schönsten war, dass er uns während der Zeit im Becken immer wieder gesucht hat. Er hat uns angesehen und geklatscht, als ob er wusste, dass da gerade etwas ganz Tolles passiert.?

Was aber würden zwei Wochen Delfintherapie langfristig bringen, fragten sich Tims Eltern völlig erschöpft von all der Aufregung und der ungewohnten Umgebung auf dem Heimflug. Denn es ging Schlag auf Schlag weiter. Am ersten Tag zu Hause wurde Tims dritter Geburtstag gefeiert. Im September war Tims erster Kindergartentag in der schulvorbereitenden Einrichtung in Ahorn.

Aus dem Therapietagebuch: ?Wir haben nun wieder in unseren gewohnten Rhythmus gefunden. Um ehrlich zu sein, war es schwerer als angenommen, denn es hat sich in letzter Zeit soviel verändert.

Die wahnsinnige Hilfsbereitschaft und Energie, die andere Menschen in uns gesteckt haben, die Reise in die Ukraine mit dem ungewissen Ausgang und nun auch noch der Kindergarten - unser Leben hat sich komplett auf den Kopf gestellt, aber das zum Positiven.

So unverständlich wir für Tim waren, so unverständlich war er für uns. Aber nun hat er einen Weg zu uns gefunden und ich bin wahnsinnig stolz auf ihn. Ich kann nur ahnen, wie anstrengend alles für ihn ist, es ist oft Überwindung für ihn, Dinge zu tun die er - so glauben wir - nicht wirklich verstehen kann, aber er versucht es.

Tim ist wie umgewandelt, er ist so zugänglich geworden, so ruhig. Er rennt nicht mehr den ganzen Tag, er ist ausgeglichener, eine ganz ungewohnte Situation für uns alle.

Tim hat entdeckt, dass es Dinge gibt, die Spaß machen, dass er keine Angst haben muss, wenn wir ihn küssen und oder knuddeln, plötzlich entwickelt er teilweise eine sehr verschmuste Art und kommt auch oft zu uns.

Er zeigt nun, was er gerne möchte, zwar nicht viel, aber doch einiges. Und unser Tim isst mittlerweile fast alles. Von wegen nur rote Soße.

Ein Spaziergang durchs Dorf ist mittlerweile schon fast ganz möglich, er gibt zwar den Weg an, aber das macht nichts. Unser Leben hat sich durch und durch positiv verändert.?

Und immer noch helfen bekannte und fremde Menschen und Organisationen mit Spenden, freundlicher Anteilnahme und immer wieder Fragen, wie es dem kleinen Tim denn nun geht. ?Das ist das Allerbeste?, sagt Bianca Oelschlegel, ?dass Tim nicht nur eines von vielen anonymen ?Spendenobjekten? war und ist, sondern dass die Menschen echtes Interesse an ihm und seiner Entwicklung haben.?

Das Spendenkonto, von dem Tims Delfintherapie inklusive der Flug- und Unterkunftskosten finanziert wurde, weist im Dezember 2007 bereits wieder 5210 Euro aus. Geld, von dem Tim eine weitere Delfintherapie im kommenden Jahr bekommen soll.

Denn trotz Tims positiver Entwicklung mit der Delfintherapie erhält er außer dem Besuch einer reinen Autistengruppe im Kindergarten immer noch keine therapeutische Hilfe, die die Eltern nicht selbst organisieren und bezahlen.

?Was das da??, fragt Tim und zeigt auf den Spiegel. Das ist ein kleiner Junge, der im vergangenen Jahr ganz schön was geleistet hat und ahnt, dass das, was er erlebt hat was ganz Besonderes ist. Bianca Oelschlegel: ?Es ist zwar nicht jeder Tag gleich gut, aber die schlechten Tage jetzt sind besser als die guten Tage vor einem Jahr.?

Tim Oelschlegel


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Was ist Autismus?

Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung. Betroffene haben große Schwierigkeiten, mit anderen Menschen Kontakt aufzunehmen und zu kommunizieren. Insbesondere beim frühkindlichen Autismus ist die kindliche Entwicklung in vielen Bereichen verzögert.

 

Das Kind lernt zum Beispiel spät laufen, spät oder gar nicht sprechen, hat kein Interesse an Spielkameraden und spielt mit üblichen Spielsachen auf sehr eigenwillige Weise.

 

Viele Kinder scheuen den Blickkontakt, wollen nicht berührt werden und entwickeln schon in frühen Jahren verschiedene Stereotype und Eigenheiten. Läuft nicht alles in den gewohnten Bahnen, reagieren Autisten häufig mit heftigsten Wutanfällen, bei denen sie sowohl eine unglaubliche Kraft als auch ein hohes Maß an Aggression sich selbst gegenüber (sich schlagen oder beißen) zeigen.

 

Autismus ist keine einheitliche Krankheit. Es gibt viele Erscheinungsformen und Ausprägungen. Das macht die Diagnose schwierig und eine sehr individuelle Therapie erforderlich.

 

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