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Altbürgermeister Güntter Seiler: ?Man soll nicht alles so ernst nehmen?

Günter Seiler hat sein Bürgermeisteramt vor fünf Jahren aufgegeben. Sein ehemaliger Stuhl wird nun verlost. FOTO: TIM BIRKNER

23. März 2007

Die Neue Presse verlost einen Original-Bürgermeistersessel: Er ist von Zachert. Gute Qualität ? jetzt braucht er aber dringend etwas Lederfett nehmen

 

Günter Seiler (72) aus Ebersdorf hat als Bürgermeister den Stuhl gekauft, den die Neue Presse kommende Woche verlost. Wir haben den Altbürgermeister gebeten, nach fünf Jahren nochmal auf seinem alten Sessel Platz zu

COBURG ? Günter Seiler setzt sich zunächst nur vorne auf die Stuhlkante. Im Laufe einer halben Stunde rückt er dann doch nach hinten und ist wieder ganz der alte Bürgermeister.

 

Können Sie sich erinnern, wann Sie das letzte Mal auf dem Sessel gesessen sind?

Ja, das war am 30. April 2002. Ich habe bis zum letzten Tag gearbeitet. Von daher hat der Kollege (Anm.: Bernd Reisenweber) noch ein wenig auf dem Sessel arbeiten müssen, bevor er sich neu eingerichtet hat. Es ist gar nicht so übel geworden. Ich wollte diese Aktion nicht mehr starten. Wir hatten früher eine so niedrige Sitzhöhe von nur 35 Zentimetern. Wenn Sie da mit den Leuten verhandelt haben, mussten Sie sie nach dem Gespräch regelrecht hochziehen.

 

Woran haben Sie als Erstes gedacht, als Sie sich auf Ihren alten Stuhl gesetzt haben?

Eigentlich an gar nichts. Er sitzt sich noch so weich wie früher.

 

Können Sie sich noch an den Kauf erinnern?

Der Stuhl, auf dem ich sitze, ist der Nachfolger eines Stuhles, den ich zerschlissen habe. Ich war 23 Jahre Bürgermeister, da geht schon einiges kaputt, wenn man tagtäglich auf dem selben Stuhl sitzt. Dieser Stuhl ist von der Firma Zachert, wie der Vorgänger auch ? das sind gute Stühle. Ich habe den Stuhl so zehn, zwölf Jahre benutzt.

 

Was war für Sie das Bedeutendste, was Sie auf dem Stuhl entschieden haben?

Da wurde viel entschieden. Angefangen vom Kirchturm, da die Kirche in Ebersdorf ja abgebrannt war. Für mich war die Kirche ein Bauwerk, das amputiert ist. Wenn ich in einen Ort komme, ist die Kirche ein Orientierungspunkt. Früher hat man ja kein GPS gehabt. Da haben wir die Kirchtürme gebraucht (lacht).

Auf eines bin ich besonders stolz: Auf die Gasgewinnung in der Kläranlage. Daraus haben wir Strom gewonnen. Das war bereits 1988. Heute glaubt jeder, er hat den letzten Schrei erfunden. Wir haben damals gegen Widerstände des Landesamtes für Wasserwirtschaft das Projekt durchgesetzt. Ohne einen Befürworter in München wäre das damals gescheitert. Heute sehen wir Tag für Tag, was an Strom gewonnen wird. Das war eine bahnbrechende Maßnahme. Nachdem ich ausgebildeter Klärwärter bin, (lacht)... Wenn wir eine neue Kläranlage bauen, habe ich mir gesagt, dann will ich mitreden können. Da habe ich einfach das notwendige Grundwissen gebraucht. Ich habe einen Kurs in Neuendettelsau ? irgendwo dort unten ? besucht und dann die Klärwärterprüfung gemacht.

 

In welchen Momenten haben Sie auf dem Stuhl gezweifelt?

Ich muss auf Holz klopfen, grundlegende Fehler sind mir nicht passiert. Ich denke an die kreuzungsfreie Zufahrt, ich denke an den Schulneubau ? das waren alles Dinge, wo man gesagt hat, entweder spinnen die oder wir anderen, je nachdem. Ich brauche keine Entscheidung zu bereuen. Als Bürgermeister wird man ja für so manches beschimpft, wofür man gar nichts kann. Für anderes wird man gelobt, und kann auch nichts dafür. Der Einfallsreichtum der Menschen ist unerschöpflich, da werden die tollsten Dinge in die Welt gesetzt. Das ist der Job eines Bürgermeisters, sich da nicht kaputt machen zu lassen. Ohne Nervenstärke geht das nicht.

 

Welche Lebensweisheit können Sie denn im Abstand von fünf Jahren den heutigen und künftigen Bürgermeistern auf den Weg geben?

Man soll nicht alles so ernst nehmen. Es gibt viele Dinge, die sich erst im Laufe der Zeit realisieren lassen. Heute muss man bei unserer Bürokratie eine Gelassenheit haben, nicht alles sofort vollziehen zu können. Bei einem Straßenneubau zum Beispiel müssen Sie mit Minimum 20 Jahren rechnen, diese Erfahrung habe ich gemacht.

Man darf sich nicht ärgern, auch wenn man hin und wieder Abstriche von seiner Persönlichkeit machen muss. Da wird man zum Beispiel grundlos beleidigt. Bei einem Wahlplakat von mir hat man die Augen ausgestochen. Da frage ich mich: Wo leben wir eigentlich? Der Egoismus hat bei uns sehr zugenommen. Jeder sagt: Bloß nicht bei mir, den anderen kann man ruhig noch mehr draufhauen. Jeder will für sich das absolute Recht, damit ist aber automatisch verbunden, dass den anderen die Rechte beschränkt werden.

 

Wir wollen den Stuhl, auf dem Sie sitzen, verlosen. Was wünschen Sie dem Gewinner?

Ich wünsche, dass er schön drauf sitzt. Der Anblick sollte sich noch verbessern. Der Gewinner sollte ihn ein wenig mit Lederfett einschmieren, sonst platzt das Leder (lacht).

 

INTERVIEW: TIM BIRKNER


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