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Viel Freiheit im Freibad

Siggi allein im Bad. Heuer macht das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Jetzt liegt alle Hoffnung auf den Gruppen, die jedes Jahr hier zelten. Foto: Tim Birkner

29. Juli 2011

Die erste Etappe der Radltour geht von Bad Rodach nach Autenhausen. Dort wartet Siggi Schmidt. Er ist Bademeister, Platzwart und Kioskbetreiber in einem.

Autenhausen - Siggi Schmidt zündet sich eine Zigarette an. Er ist fast allein in seinem Bad. Nur ein Handwerker schraubt im Kiosk an ein paar Rohren. Die Wiese seines Zeltplatzes ist gemäht. In der Mitte dampft noch eine Feuertonne. Das Wasser glänzt bei 17 Grad. "Nee", sagt Siggi Schmidt, den alle nur Siggi nennen, "da geh´ ich nicht rein." Das Wasser ist ihm zu kalt. Je länger die Sonne scheint, desto angenehmer die Temperatur. "Heute Abend hat das Wasser 23 Grad." Siggi zeigt auf die Sonnenkollektoren, durch die das Wasser gepumpt wird.

Er erinnert sich an den Traumsommer 2003. "Da ging das bis zwei Uhr nachts." Wie das geht, wenn das Bad um 20 Uhr schließt, sagt er auch. Die Toiletten und Duschen sind in der Baracke direkt am Becken. Wer auf´s Klo muss, kommt am Beckenrand entlang. "Auf eigene Verantwortung geht noch ein Bad." Siggi grinst. Er kann und will auch nicht alles verhindern. Er will den Jugendlichen auf dem Zeltplatz auch etwas erlauben. "Lagerfeuer ist hier immer möglich." Abends nach acht setzt er sich gerne dazu. "Das hält mich hier, darauf freue ich mich." In den letzten Jahren kommt es immer häufiger vor, dass er helfen muss, das Feuer anzuzünden. "Die sind 20 Jahre alt und können kein Feuer anmachen. Da versuchen sie, mit dem Feuerzeug einen dicken Stamm anzuzünden."

Die Gruppen mögen ihn. Siggi zieht ein gebundenes Heft mit Bildern aus dem Kiosk. "Siggi, bitte bleib", bunt gemalt auf über 30 Seiten. Dazu eine Unterschriftenliste mit über 100 Namen.

Das ist die andere Seite. Für manche sind es zu viele Freiheiten, die er lässt. Zu viel Freude, die er bereitet. "Dann gibt es hintenrum Ärger", sagt Siggi. Das lässt ihn manchmal verzweifeln, obwohl er seit neun Jahren keinen Sommer ohne Freibad hatte. Manchmal übernachtet er auch in einer kleinen Kammer direkt neben dem Kiosk. "Dann passiert nachts weniger, keine Papierrollen im Wasser, die dann die Pumpen verstopfen." Die Grenzen haben sich verschoben. Gerade wenn Alkohol im Spiel ist, wird der Unfug immer größer. Und umgekehrt werden die Auflagen immer höher. Die Kinder hatten Spaß mit ihm, wenn er sie ins Becken geworfen hat, das Bad hat schließlich kein Sprungbrett. Vielen hat das gefallen, jetzt aber darf er niemanden mehr anfassen.

Sein Einmannbetrieb aus Bad, Zeltplatz und Kiosk stößt an seine Grenzen. "Pommes waren der echte Renner", sagt Siggi. Doch die gibt es jetzt nicht mehr, weil er nicht gleichzeitig im Kiosk an der Friteuse stehen und das Becken im Blick haben kann. "Wienerle mache ich noch." So entwickelt sich die Speisekarte. Und die Besucherzahlen entwickeln sich je nach Sonnenschein. Heuer sieht es schlecht aus.

Jetzt hofft Siggi auf die Gruppen, die im Sommer hier zelten. "Manche haben ein komplettes Kochzelt mit Spülmaschine dabei", sagt er, der eigentlich mit dem Kioskbetrieb noch etwas verdienen möchte. Er dreht den Spieß einfach um. "Dann gehe ich halt rüber und esse bei denen mit." So einfach ist das beim Siggi.

 

Tim Birkner


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unterwegs

Aufstehen. Sechs Grad. Es ist saukalt und Sommer. Für die erste Radltour will ich in Bad Rodach starten. Ich fahre mit Rad und der Hamburger Hochbahn, die auf Fränkisch „agilis“ heißt, in die Kurstadt. Das Bähnla, wie es der Bad Rodacher Bürgermeister immer wieder gerne nennt, startet bei grauem Himmel. Mit dabei sind meine warme Jacke und eine Schulklasse. Besonders die Toilette war der Renner. Draußen tut sich was. Die Langen Berge sind in Sicht, der Himmel klart auf. Ab Meeder scheint die Sonne. Ideales Radl-Wetter. So ein Glück. Raus aus dem Zug und rauf auf den Sattel. Rechts liegt der Marktplatz mit seinen legendären Bratwürsten und dem Siebensternsenf aus Oberkotzau. Ich biege links ab. Richtung Gauerstadt, immer die Rodach entlang. Die erste große Überraschung sind die Schilder. Das ist ein Riesenschritt. An jedem Abzweig, fast immer selbst erklärend. Weiter Richtung Seßlach. An der Gedenkstätte Billmuthausen eine Pause. Geschichte nah und toll aufbereitet. Zwei Radler im Rentenalter kommen vorbei. Sie machen zweimal in der Woche hier Rast auf ihren Touren. Zweimal in der Woche drehen sie vormittags ihre Runde, exakt 42 Kilometer. Weiter geht´s Richtung Bad Colberg, hier könnte ich nach Bad Rodach schon zum zweiten Mal baden. Auch diese Therme lasse ich links liegen, radel nach Ummerstadt und dann hinauf zum Ummerstadter Kreuz, alter Westen mit gutem Blick in die Heimat für diejenigen, die zur Zeit des kalten Krieges fliehen konnten. Die Infotafeln des Grenzlandweges sind wirklich gut gemacht. Da sind die Gelder der Europäischen Union gut angelegt. Auf einem Wanderwegweiser sehe ich zum ersten Mal ausgeschildert „Schwimmbad“. Jetzt nur noch den Berg hinunter. Am Ziel.

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