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Verdammte Stille

Gefangen im eigenen Körper

 

Dieses Buch zu lesen, kostet Überwindung. Denn wer erfährt schon gern in der Gewißheit ,,Das könnte jederzeit auch mir passieren" von einem schrecklichen Schicksal, das heute noch andauert? Philippe Vigand hat alles, was man sich wünschen kann: einen gut bezahlten Arbeitsplatz in führender Position, eine Ehefrau, die ihn liebt, und zwei Töchter, mit denen er jeden Tag genießt. Doch dann geschieht, wovor sich wohl jeder Mensch fürchtet. Aus heiterem Himmel fällt der gerade einmal 33jährige Philippe ins Koma und erwacht mit der vernichtenden Diagnose Locked-In-Syndrom. Die Hölle muß es sein, nicht sprechen und sich nicht bewegen zu können, aber gleichzeitig bei vollem Verstand zu sein, Schmerzen zu empfinden, aber nicht ,,Aua" sagen, Durst zu haben, aber nicht schlucken zu können. Es dauert Monate auf der Pflegestation, bis überhaupt jemand bemerkt, daß Philippes Verstand unversehrt ist. Willkürlich kann Philippe lediglich blinzeln. Diese winzige Bewegung öffnet ihm eine Tür in die normale Welt. Einmal blinzeln heißt ja, zweimal blinzeln nein. Ein ausgeklügelter Buchstaben-Code und ein auf Philippes Blinzeln programmierter Computer ermöglichen schließlich ,,richtige" Kommunikation. Auch wenn dies eine mühsame, nervenaufreibende und langwierige Prozedur für alle Beteiligten darstellt. Zwei lange Jahre verbringt der bewegungs- und sprachlose Philippe im Krankenhaus. Immer schwerer fällt es seiner Familie, einen Pflegeplatz für ihn zu finden. Denn es gibt in Frankreich nicht viele Patienten wie ihn. Ironie der Bürokratie: Philippes Krankheitsbild entspricht nicht den gesetzlichen Bestimmungen. Stephane, Philippes Frau beschließt, Philippe nach Hause zu holen. Aber weiß sie, worauf sie sich einläßt? Philippe ist ebenso der gleiche wie vor dem Unfall wie ein ganz anderer. Rund um die Uhr braucht er Pflege und Rücksichtnahme. Gleichzeitig möchte er einen normalen Platz in seiner Familie, und daß diese ihn für voll nimmt. - Eine harte Bewährungsprobe für eine Ehe, Vater-Tochter-Beziehungen und Freundschaften. Hinzu kommt die Geburt des dritten Kindes. Philippe schildert seine Sicht der Dinge, seine Erlebnisse und Erfahrungen. Man bekommt Einblick in die Alltagsnöte und die Hoffnungen eines lebendig Begrabenen, ohne je in Mitleid verhaftet zu bleiben. Auch Philippes Ehefrau Stephane kommt zu Wort. Sie hat aufgrund der gleichen Ursache völlig andere Sorgen. ,,Kann sich irgendjemand vorstellen, wie es ist, an allen vier Gliedmaßen gelähmt zu sein, stumm und lebendig eingemauert zu leben und auch noch gern zu leben?", fragt der Locked-In-Patient Philippe Vigand. ,,Ich liebe meine Hölle so, wie sie ist - intensiv, unruhig, extrem", sagt Stephane Vigand, Philippes Frau, sieben Jahre nach dem Unfall und nach fünf Jahren Erfahrung mit einem ungewöhnlichen Familienleben. Ein Buch über eine mutige Entscheidung.

 

Philippe und Stephane Vigand: Verdammte Stille (217 Seiten). Diana Verlag München /Zürich 1999. Nr. 3-8284-5017-2.