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Simeons Braut

Halbwahrheiten und alte Geschichten

 

Alison Taylor erzählt typisch englisch: weitschweifig, detailverliebt und langatmig. ,,Simeons Braut" reiht sich nahtlos in die englischen Krimis der vergangenen Jahre ein: ein wenig tristes Privatleben der Polizisten, ein wenig Aberglaube der skurillen Bevölkerung, ein paar schräge, verdächtige Vögel und ein Mord, der Rätsel aufgibt. ,,Simeons Braut" spielt in einer Kleinstadt in Wales. Im Wald wird die Leiche einer Frau gefunden, die bereits seit mehreren Monaten tot ist. Niemand kennt sie, niemand vermisst sie. Mit diesem Fall werden drei Polizisten betraut: Mc Kenna, der seine Frau verließ, bevor sie ihn verlassen konnte; Jack Tuttle, der eine Ehekrise durchmacht und Dewi Prys, ein aufstrebender junger Officer. Neben ihrem Fall haben diese drei Männer ihre eigenen Probleme zu lösen. Alle offenen Frage stehen gleichermaßen im Mittelpunkt: Wer tötete die Fremde? Liebt Mc Kenna seine Frau noch? Was hat Dewi Prys' Sandkastenfreund Jack mit dem Mord zu tun? Was wissen die beiden Klatschweiber des Nestes? Warum kann Tuttle Officer Prys nicht leiden? Alison Taylor verlangt von ihrem Leser Interesse an allen diesen Fragen und beantwortet nur sehr zögerlich eine nach der anderen. Der Mord steht mal im Mittelpunkt und mal am Rand der Handlung. Taylor begnügt sich nicht mit Typen. Sie formt aus jeder ihrer Figuren einen Charakter und nimmt sich Zeit, diesen zu entwerfen. Typisch englisch eben. Hektik kommt nicht auf. Die Ermittlungen gehen in gleichmäßigem Tempo ihren Gang. Spannungsmomente und Überraschungen lässt die Autorin nicht zu. Ihr Stoff ist ein anderer. Ihr Stoff sind die Zweifel, die die Polizisten gelegentlich plagen, die winzigen Fortschritte, die in langwierigen Verhören erzielt werden, ausführliche Gespräche mit vermeintlichen Zeugen, die ein kaum wahrnehmbares Detail zur Lösung beitragen. ,,Simeons Braut" lohnt sich für Krimi-Fans, die Finessen und menschliche Züge mögen; denen das Rätsel wichtiger ist als die Lösung; die sich nach all den kriminalistischen Fragezeichen mit einem Punkt begnügen statt mit einem Ausrufezeichen.

 

Alison Taylor: Simeons Braut (415 Seiten). Knaur / Droemersche Verlagsanstalt München, Oktober 1999. ISBN 3-426-60926-6. 14,90 Mark.