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Das Winterhaus

Englische Familiensaga

 

,,Das Winterhaus" ist ein Buch zum Schmökern. Ein Buch für lange Winterabende oder für sonnige Nachmittage am Strand. Auf jeden Fall ein Buch, für das man Zeit und Geduld mitbringen muß. Aber die Mühe lohnt sich. Denn Judy Lennox ist eine erstklassige Erzählerin, die die Kunst beherrscht, weit auszuholen, ohne je den roten Faden zu verlieren. ,,Das Winterhaus" erzählt nicht nur die Biographien seiner drei Hauptfiguren, sondern ist sowohl eine detaillierte Milieustudie als auch ein historisches Dokument Englands in den Jahren der Wirtschaftskrise bis zum Ende des Bürgerkrieges in Spanien, von 1918 bis 1938. Drei Schulfreundinnen gehen verschiedene Wege: Da ist die unscheinbare Helen, die vom Leben nicht mehr will als eine Familie zu gründen. Da ist Maia, die um jeden Preis reich werden will. Und da ist Robin, die so schnell wie möglich auf eigenen Füßen stehen und selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen will. Die Wege der drei trennen sich. Maia heiratet einen reichen Kaufhausbesitzer, der sich schnell als Sadist entpuppt und ihr das Leben zur Hölle macht. Bis er schließlich betrunken die Treppe hinunterfällt und sich das Genick bricht. Maia übernimmt die Firma und erweist sich als ausgezeichnete Geschäftsfrau, arbeitet 20 Stunden am Tag und hat Angst davor, sich je wieder auf so etwas wie ein Privatleben oder gar eine neue Liebe einzulassen. Helen unterstützt ihren Vater, den Dorfpfarrer, so gut sie kann. Doch der eifersüchtige und despotische Vater läßt nicht zu, daß Helen erwachsen wird, unterbindet jeden Kontakt mit Männern und begräbt seine Tochter regelrecht im düsteren Pfarrhaus. Helen, die sich immer eine Familie wünschte, hat mehr und mehr Angst davor, ihre besten Jahre zu vergeuden und als alte Jungfer zu enden. Robin schlägt sich in London mehr schlecht als recht durch, engagiert sich in politischen Zirkeln für soziale Gerechtigkeit und arbeitet ehrenamtlich in einem Krankenhaus. Sie verliebt sich in Francis, der sich mit Joe eine Wohnung teilt, in der legendäre Parties gefeiert und politischen Schriften gedruckt werden. Judith Lennox mag ihre Figuren. Sie läßt sie glücklich sein, und sie läßt sie leiden. Sie läßt sie Schwierigkeiten bewältigen, und sie läßt sie kapitulieren. Sie läßt sie ein ganz normales Leben führen, und sie läßt sie ihre eigenen Wege zum Glücklichsein finden. Natürlich gibt es so manches Happy End in diesen drei miteinander verwobenen Lebensgeschichten. Aber jedes dieser Happy Ends schmeckt auch ein wenig bitter. Wie im richtigen Leben.

 

Judith Lennox: Das Winterhaus (541 Seiten). Kabel Verlag Hamburg 1998.