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Der Mund

Rätselhafte Zutaten

 

Malvina ist noch ein Kind, als ihre Eltern im Frankreich des Jahres 1768 in Schimpf und Schande hingerichtet werden. Sie sollen Gäste ihres Wirtshauses mit Gift im Essen betäubt, danach ausgeraubt und getötet haben. In einem abgeschiedenen Kloster lernt die kleine Waise Malvina fortan die Geheimnisse des Kräutergartens kennen. Zur Frau herangereift bittet sie schließlich einen berühmten Apotheker in Paris, sie in die Lehre zu nehmen. Bald sind zum einen die Pillen, die diese Apotheke herstellt und zum anderen die betörenden Festessen, die Malvina anzurichten pflegt, in der ganzen Stadt berühmt. Aber auf welche Weise hat sich Malvina diesen guten Ruf verdient? Was ist ihr Geheimnis der Zubereitung dieser erlesenen Menues, die den Pariser Adel begeistern? Malvina vermag schlechte, verfaulte und schimmelige Zutaten so zu kombinieren und zu verfeinern, daß sie selbst verwöhnte Gaumen in Exstase versetzen. Sie spielt mit den Geschmacksnerven ihrer Gäste Katz und Maus. Mag sein, es ist ein perverses Spiel. Aber Malvina will niemandem Böses. Sie praktiziert lediglich, was sie im klösterlichen Kräutergarten und im Labor des Apothekers gelernt hat. Malvina zweifelt, ob sie ihre Fähigkeiten ,,richtig" einsetzt: Sie kämpft mit sich und der Außenwelt. Mit sich kämpft sie, um ihre düstere Vergangenheit abzustreifen. Kann sie als Tochter zweier hingerichteter Schwerverbrecher ein guter Mensch sein, fragt sie sich, stets von Selbstvorwürfen geplagt. Mit der Außenwelt kämpft sie um Anerkennung sowohl ihres Könnens als Köchin und Apothekerin als auch um die Liebe Matthieus, die ihr schließlich zum Verhängnis wird. Matthieu ist der Sohn des Apothekers, bei dem Malvina einst in die Lehre ging. Was für sie die große Liebe ist, bleibt für ihn ein leichtfertiges Abenteuer. Ehe er die Tragweite seiner Affäre mit der hingebungsvollen Köchin erkennt, hat sie mehr von sich geopfert als klug und gesund sein kann. Es ist ein verrücktes, spannendes, rätselhaftes und gleichermaßen abstoßendes Buch, das die Nerven strapaziert und zugegeben jenseits des guten Geschmacks liegt. Dieser Roman, der im 18. Jahrhundert spielt, ist keine leichte oder bekömmliche Kost. Aber so mancher Festtagsbraten liegt ja im nachhinein schwer im Magen und schmeckte trotzdem ...

 

Laurence Haloche: Der Mund (288 Seiten). Knaur. Droemersche Verlagsanstalt München 1999. 14,90 Mark.