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Der Mann im Mast

Seemannsgarn vom Feinsten

 

Eigentlich hatte der Schriftsteller seiner Frau Stacy und seinen beiden kleinen Töchtern Miriam und Laura versprochen, im Urlaub keine einzige Zeile zu schreiben. Aber das alte Ferienhaus am Atlantikstrand gehörte früher ausgerechnet dem Kapitän eines Fischkutters und birgt lauter urige Gegenstände, die die Phantasie des Schriftstellers ebenso anregen wie die Figur des Au-Pair-Mädchens der Nachbarn. Also beginnt er, inspiriert von einem Gedicht aus seiner Schulzeit, doch zu schreiben. Eine Geschichte über einen Seemann, der im vorigen Jahrhundert seine ostfriesische Heimatinsel Hals über Kopf verlassen muß und in Amerika sein Glück sucht. Wie zufällig landet diese Romanfigur, Uwe Randers, ausgerechnet in eben dem Ferienhaus am Atlantik, in dem der Schriftsteller 100 Jahre später seinen Urlaub verbringt. Hier vermischen sich Vergangenheit und Gegenwart, Realität und Phantasie. Was auch immer der Schriftsteller in diesem Urlaub erlebt, irgendwie taucht es in seinem Buch wieder auf. Menschen, die er kennenlernt, seine Kinder zum Beispiel oder das besagte Au-pair-Mädchen, irgendwie kommen sie alle in diesem neuen Roman vor. Klaus Modick erzählt zwei Geschichten in einer. Die eine stammt aus dem vorigen Jahrhundert, enthält jede Menge Seemannsgarn und ist raffiniert in die äußere, aktuelle Geschichte eingebettet. Hier sind Ehefrau Stacy und vor allem die beiden Töchter des Schriftstellers seine strengsten Kritiker. Sie finden Passagen des gerade entstehenden Romans ,,blöd", ,,langweilig" oder verstehen mit ihren gerade einmal sieben Jahren bestimmte Wörter und Zusammenhänge einfach noch nicht. Trotzdem stellen sie permanent Forderungen an ihren schreibenden Vater wie ,,In dem Buch soll ein Sturm vorkommen" oder ,,Warum schreibst du eigentlich nicht mal ein Buch für Kinder?" Aber der Schriftsteller, ganz der geduldige Vater, erklärt ihnen alles so gut er kann, wiegelt ab oder weicht ganz einfach aus und überläßt es seiner Frau Stacy, komplizierte Fragen zu beantworten. Klaus Modick macht neugierig: Ob wohl das nächste Kapitel in der Seemannsgeschichte oder im Urlaub der vierköpfigen Familie spielt? Wie entwickelt sich die Bekanntschaft des Schriftstellers mit dem Au-pair-Mädchen? Findet Uwe Randers eines Tages doch noch den Weg zurück auf seine ostfriesische Heimatinsel? Was hat das Gedicht, das dem Schriftsteller während seines ,,Urlaubs" im geheimnisvollen Ferienhaus an der amerikanischen Atlantikküste nicht aus dem Kopf geht, mit dem entstehenden Roman bzw. seinen beiden Töchtern zu tun? Zwischen der Gegenwart, altem Seemannsgarn und Klaus Modicks Erzählkunst wechselt ,,Der Mann im Mast" routiniert die Perspektiven, läßt die Leser schmunzeln und grübeln, spekulieren und besser wissen. Je nachdem, woher der Wind weht und wie hoch der Seegang ist.

 

Klaus Modick: Der Mann im Mast (300 Seiten). Wilhelm Heyne Verlag München 1998. 14,90 Mark.