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Nächstes Jahr in Sankt Vero

Zwei Jahre lebendig begraben

 

Tirol 1943: Ein jüdischer Arzt rettet einem Jungen in einem Gott verlassenen Bergdorf mit einer Blinddarm-Operation das Leben. Ein Honorar schlägt er aus. Aber einige Zeit später kehrt der Arzt zurück und bittet die Familie um Hilfe. Denn er hat Angst, von den Nazis verschleppt zu werden. Ablehnung und Angst schlagen ihm entgegen. Gleichermaßen Menschen verachtend und lebensrettend ist der Plan, der schließlich in die Tat umgesetzt wird: Der Vater des Jungen ,,nagelt" den Arzt in einer Kiste in der Scheune ein. Ein Grab aus Holz, ohne Licht, ohne Heizung, ohne menschliche Kontakte. Ein kleines Astloch, um zu sehen und eine Klappe, um Lebensmittel und Wasser durch zu reichen, sind die einzigen diffusen Verbindungen zur Außenwelt. Jeden Tag nur wenige Minuten leisten dem lebendig begrabenen jüdischen Arzt zwei Kinder Gesellschaft. Der Junge ohne Blinddarm und seine blinde Schulkameradin. Lediglich diese beiden Kinder kümmern sich um den Juden. Alle anderen ignorieren ihn. Verdrängen seine lästige Anwesenheit. Zwischen diesen dreien aber wächst zaghaft eine Freundschaft. Der Jude in der Kiste ist ebenso angewiesen auf die Kinder wie die beiden Kinder außerhalb auf die Gespräche mit dem Fremden. Hoffnung und Verzweiflung. Krisen, offene Fragen und allmähliches Erwachsenwerden. Lustige Begebenheiten und traurige Ereignisse der Vergangenheit werden wieder lebendig. Das Leben spielt sich rund um eine zu genagelte Kiste aus Holz in einer Tiroler Bergscheune ab. Ein gruseliges Buch, in dem es keine Tabus gibt. Das Liebesleben des Arztes ist ebenso Thema wie die Gedanken des Jungen an eine Denunziation des Juden. Sprachgewaltig und ungemein lyrisch beschreibt Thomas Moran das Unbegreifliche im Alltag und das Alltägliche im Unbegreiflichen. Die enge Moral und die sie unweigerlich hervorbringende Doppelmoral einer kleinen Welt, die die Einflüsse der großen Welt ignoriert, aber ihnen nicht entgehen kann.

 

Thomas Moran: Nächstes Jahr in Sankt Vero (316 Seiten). Knaur / Droemersche Verlagsanstalt München, November 1999. ISBN 3-426-61193-7. 18 Mark.